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Spirituelles

Ich bin nicht nur Komponistin und Kirchenmusikerin, sondern zuerst und vor allem Ordensfrau.

Das Geistliche Leben in Gemeinschaft ist das Gef├Ąss, aus dem heraus ich alles andere wirke.

Dieses Leben gibt auch meinen Kompositionen eine eigene Note, fliesst gleichsam in sie hinein.

 

Wir sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben im Kloster Heiligkreuz in Cham.

Informationen zu unserer Gemeinschaft finden Sie unter:

 

www.kloster-heiligkreuz.ch

(Scrollen Sie nach unten und Sie werden den einen oder anderen ├Ąlteren Text zum Nach-lesen und Nach-denken finden.)

Wer den einen oder andern Text des Jahrgang 2023 nachlesen möchte, findet ihn mit Klick auf den pdf-Button:

Texte-Jahrgang-23
156 KB
texte-Jahrgang-23.pdf

loslassen - statt ├╝berwinden

Noch ist Fasnacht - doch bald beginnt die Österliche Busszeit - jene Zeit vor Ostern, die uns öffnen möchte für das grosse Geheimnis von Erlösung und Liebe - vor allem aber für das grosse Wunder, dass es letztendlich GESCHENKT ist und nicht erarbeitet oder gar verdient sein muss: ich bin liebenswert - und darf sein, wie ich bin. Aber ebenso: in mir ist Grosses angelegt, das sich ins Leben hinein entfalten will. 


Doch immer wieder spüren wir auch unsere Schwachheiten und Belastungen, Seiten an uns, die wir nicht mögen, Verhalten, mit denen wir uns selbst ein Bein stellen… Da mag es verlockend sein, sich anzustrengen, um es endlich zu schaffen: besser sein. Kommt das nicht sehr nahe an das heran, was man als ‚Selbsterlösung‘ be-zeichnen müsste? Wenn ich mir nur Mühe gebe, wenn ich nur auf die Zähne beisse, wenn… -… und dann klappte es doch wieder nicht, zum x-ten Mal ‚nachsitzen'… Dabei ist Erlösung bereits geschehen! - Wäre es da nicht hilfreicher, statt ‚überwin-den wollen‘, ‚loslassen‘? - die ‚schlechte‘ Eigenschaft ebenso, wie mich selbst - hinein in dieses Meer von Liebe, das nicht nach Leistung fragt, sondern nach MIR - das keine Bedingungen stellt - ausser eben jene: lass dich los!


Das redet der Gleichgültigkeit keineswegs das Wort! Aber gibt den Mut, sich der ei-genen Schattenseite zu stellen. Und ist es nicht so: einen Schatten kann man nicht wirklich wegputzen - und wenn man ihn durchwandert, wandert er einfach mit… Doch wenn wir genau unterm Licht stehen, dann ist auch der Schatten unter unsern Füssen und am kleinsten.


Könnte dies nicht Symbol UND Aufforderung sein:
Mich unter das Göttliche Licht stellen, damit mein Schatten keine Bedrohung mehr ist? - und immer wieder aufschauen zu jener Sonne, die dem Leben Licht gibt, Wärme und Existenz.


Dazu mag ein Satz als Illustration und Ergänzung dienen, der von Desmond Tutu stammt:
Wir sind Glühbirnen und unsere Aufgabe besteht lediglich darin, fest in der Fassung verankert zu bleiben.


Vielleicht ein Vorsatz für die kommenden 40 Tage:
Die Fassung nicht verlieren - Glühbirne sein - Licht empfangen und weiter geben - einmal und immer wieder alle Bemühungen um ‚Selbstverbesserung‘ loslassen.

Gott wartet

Überall wartet Gott - ja, er-wartet er eineN jedeN von uns.
In jeder Sekunde, die verstreicht, ist er gegenwärtig; in jedem Stich, den ich nähe, in jedem Ton den ich spiele, in jedem Buchstaben, den ich stammelnd bete, ist er da, auf mich wartend, nach mir suchend - sogar in jedem Regentropfen glitzert er, in jeder Blume blüht er - nicht als ‚Gedankenkonstrukt‘ - sondern als Begegnung.


Glaube ist weniger ein Wissen oder ‚Für-wahr-halten‘ als vielmehr eine Beziehung, ja, ist nicht mal unbedingt ein Befolgen von Regeln, auch kein ‚Genügen-wollen/müs-sen‘ - im Glauben sollen wir eher zu einem Echo Gottes werden. Ihn widerspiegeln, ihn widerklingen, ihn widergeben - mit unserer eigenen Farbe, unserem eigenen Klang, dass Er und Ich verschmelzen - und in dem Eins doch zwei ist und bleibt.

 

Es und er ist ein Geheimnis, das erlauscht werden will. Wenn Gott wartet, immer und überall, ist Leben Heimgang - ein stetes Fallen in eine gegenwärtige und auffangende Liebe, die begleitet und birgt, sucht und hält. Wenn einem das aufgegangen ist und immer wieder neu aufgeht, wird Leben stiller, einfach, auch tröstlicher - und alles bekommt nicht nur eine zusätzliche Dimension, sondern auch eine Leichtigkeit. 

 

Alles wird zum ‚Vorüber-‚ und ‚Heimgang‘ - relativiert sich. Kann sein, dass dies der Humus für Gelassenheit ist - und die Vorwegnahme der Auferstehung… Auf alle Fälle ist es Gnade - nicht ‚Besitz‘  - Übung und kein ‚Dauerzustand‘. Gott wartet - auch zwi-schen diesen wenigen Zeilen…. Es braucht ‚nur‘ ein offenes Herz.

Menschwerdung

Gottes Menschwerdung ist nicht bloss ein Geschenk an uns, sondern ebenso eine Aufgabe. - Und weil wir diese wohl kaum in einem einzigen Leben (und mag es noch so lange dauern) voll und ganz erfüllen, feiern wir dieses Fest jedes Jahr - als Erin-nerung und als An-stoss - vielleicht auch ‚An-pfiff‘ für ein neues Fairplay hin zu mehr Menschlichkeit und Menschwerdung.

 

Weihnachten realisiert den Namen Gottes ‚Ich-bin-da‘ auf einzigartige Weise: der, der im Dornbusch brannte, brennt nun auf dem Stroh der Krippe als Licht und Liebe für uns und unsre dunkle, arme, kalte Welt. Auch das eine Erinnerung und Aufgabe an uns. Denn: wie oft sind wir nicht da - weder bei der Krippe, noch bei uns selbst… 


Er heisst aber auch ‚ich-bin-für-dich-da‘. Und wir? Lassen wir uns hinein nehmen in dieses grosse ‚Für‘ der Liebe, da sein, wenn andere unser Wohlwollen, unsere Nähe, unsere Zugewandtheit brauchen - still, bloss, arm vielleicht, aber präsent und ganz - in die leeren Gefässe dieses Für giesst sich Gott hinein - bis ins Überlaufen, dass die Welt getränkt und erquickt wird.

 

Lassen wir Weihnachten, Gottes Menschwerdung nicht ins Leere laufen - seien wir Multiplikator*Innen seiner Liebe. Werden auch wir Mensch und damit ganz und unverstellt ‚Ich‘.